1200 Jahre Ruppertskirchen: 815 – 2015

Gastbeitrag von Prof. Dr. Liebhart, veröffentlicht im Kulturspiegel Altomünster 43, 09/2014

Zwei Siedlungen unserer Gemeinde sind urkundlich seit über 1200 Jahren nachgewiesen: Ober(Unter-)zeitlbach und Ruppertskirchen. Altomünster selbst geht zwar auch auf das 8. Jahrhundert zurück, aber einen urkundlichen und damit stichhaltigen Beweis gibt es dafür nicht. Man weiß lediglich, dass um 760 ein Eremit Alto lebte. Er ist als Zeuge von Rechtsgeschäften in Mammendorf und bei Passau nachgewiesen. Wann und warum er dann nach Altomünster kam, entzieht sich unserer Kenntnis. Die vorhandene Lebensbeschreibung von 1056 ist eine reine Legende mit wahrem Kern. Aber zurück zu Ruppertskirchen. Der Weiler erscheint erstmals 815 in einer lateinischen Urkunde des Bischofs von Freising als „in loco Hrodperhtes ecclesia“, auf Deutsch „im Ort der Kirche des Rudpert“. Der Ortsname ist so zu verstehen, dass nicht der Kirchenheilige, sondern der adelige Gründer dieser Kirche Rupert hieß.

Schupfaloach

Der Volksmund spricht übrigens von „Schupfaloach“. Dabei handelt es sich um einen Flurnamen, der erstmals 1638 nachgewiesen ist. Die Deutung ist schwierig, ein Parallelname wäre das „Kattalaich“ zwischen Wagenried und Langenpettenbach. Bei „Laich“ denkt man unwillkürlich an das Eigelege von Tieren, die im Wasser ablegen. In Ruppertskirchen gab es in der Tat einen erstmals 1651 nachgewiesenen Klosterweiher. Dennoch ist die Deutung abzulehnen. Das Grundwort „-loach“ oder „-laich“ kommt von „loh“ in der zweifachen Bedeutung von „lichtem Wald, Gebüsch“ oder von „nasse, sumpfige Stelle im Boden, Sumpfwiese“. So sieht es das Bayerische Wörterbuch von Johann Andreas Schmeller. Das Bestimmungswort „Schupfa-“ kann tatsächlich das meinen, woran man sofort denkt, an die „Schupfe“ als Remise für Wagen- und Ackergerätschaften (Schuppen). „Schupfaloach“ wäre dann die „Schupfe in der Sumpfwiese“.

Schenkung 815

Welchem Umstand verdanken wir die erste urkundliche Nennung? Am 2. Oktober 815 schenkte ein fränkischer Adeliger namens Waldperht seinen Landanteil im Ort Ruppertskirchen der Domkirche zu Freising. Der Stifter hatte den Tod vor Augen, als er einen gewissen Sindeo und seine eigenen Söhne Williperht und Chuniperht mit dem Vollzug der Schenkung betraute. Sie bestand aus einem dritten Teil an Ackerland, Wald und Wiesen. Die Testamentsvollstrecker übergaben sie an Bischof Hitto. Als Zeugen werden elf Adelige mit Namen genannt. Der Schreiber des Bischofs mit Namen Tagabert hielt fest, dass die Stiftung im achten Regierungsjahr Kaiser Ludwigs des Frommen (reg. 814-840) und im ersten König Lothars erfolgte. Drei Jahre zuvor, 812, hatte eine ähnliche Stiftung im nahen Oberzeitlbach stattgefunden. Merkwürdig ist dabei, dass nur einer der dort genannten Zeugen auch 815 für Ruppertskirchen auftrat. Daraus könnte der Schluss gezogen werden, dass sich unsere Urkunde von 815 vielleicht auf ein anderes Ruppertskirchen bezieht. Zu denken wäre in der Tat an das niederbayerische Ruppertskirchen, Gemeinde Arnstrof, Lkr. Rottal-Inn. Dort gibt es eine St. Rupertus-Kirche. Die Forschung hat sich aber bisher für unseren Ort ausgesprochen. Dies bestätigt auch die Existenz einer St. Johannes der Täufer-Kirche, die 1803 abgerissen wurde.

Filialkirche St. Johannes der Täufer

Bis zu ihrem Abbruch war sie eine Filiale der Klosterpfarrei Altomünster. Sie besaß im 18. Jahrhundert drei Altäre, einen Hochaltar geweiht dem Kirchenpatron, und zwei Seitenaltäre, deren Weihenamen nicht bekannt sind. Messen wurden an Johannes Geburt (24. Juni, auch Kirchweihtag), an Johannes Enthauptung (29. August) und am Fest des hl. Papstes Innocenz I. (28. Juli) gelesen. Einen Friedhof oder eine Sakristei gab es nicht. Paramente waren vorhanden. Im Turm hingen zwei Glocken. Die ersten Spuren dieser Kirche finden sich im 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit erhielten sich sogar ein „Salbuch“ mit den Einkünften der kleinen Kirche und einige Urkunden. Die Kirche erhielt Zinsgelder aus Stumpfenbach, Ober- und Unterzeitlbach, Pfaffenhofen und Deutenhofen. Traditionell unternahmen die Altomünsterer am 25. April und am 29. August eine Prozession und einen Bittgang zur Filiale.
Zur Baugeschichte ist wenig bekannt. Eine abstrahierte Abbildung zeigt Philipp Apian in seiner berühmten baierischen Landtafel 1565. Es ist ein Bau mit einem Spitzhelmturm zu sehen. Die Kirche dürfte wohl ein spätgotischer Bau gewesen sein, der beim ersten Schwedeneinfall 1632 zwar nicht zerstört, aber doch wie der Chronist des Klosters schrieb, „ganz ruiniert“, worden ist. 1651 begann der Altomünsterer Maurer Peter Dägen im Auftrag des Klosters den Bau zu renovieren. Am 9. Oktober 1651 weihte ein Freisinger Weihbischof die Kirche neu, Birgittenprior Johannes Walfisch hielt am 12. Oktober die erste Messe. Da 1651 nur ein Altar geweiht wurde, muss die Kirche erst später weitere Altäre erhalten haben.
Mit der Kirche ist auch eine „Sage“ verknüpft, die Alois Angerpointner unter dem Titel „Der Schimmel hat noch geläutet“ veröffentlichte: Eines Tages hörten Bauern beim Heumachen von St. Johannes her ein merkwürdiges Glockenläuten. Am Abend stellte sich heraus, dass sich ein Schimmel in die Kirche verirrt und sich dort in einem Glockenseil verfangen und erdrosselt hatte.

Klostergrundbesitz

Nach 815 vergehen Jahrhunderte, ehe die Siedlung wieder in den schriftlichen Quellen erscheint. Um 1260 ließ das Kloster Altomünster seinen Grundbesitz aufschreiben. Zwischen Röckersberg und Schauerschorn erscheint ein „Ruoprechteskirchen“, das ein halbes Schaff (altes Hohlmaß) Korn, ein halbes Schaff Hafer, vier Maßeinheiten Weizen (wohl Dinkel), fünf Hühner, 100 Eier und ein Schwein abliefern musste. Es muss sich um einen großen Einzelhof gehandelt haben, da 1380 in einer Klosterurkunde „Ornolt der mair von Rupertzkirchen“ genannt wird. Im Grundbuch des Birgittenklosters von 1594 erscheint aber nur ein Halbhof. Der Bauer hieß Hanns Reisner. Das Anwesen bestand aus einem Haus mit Stall, mit Stroh und Schindeln gedeckt, mit Brunnen, Backofen und einem „Kästlein“ (= Getreidespeicher). Die Flur umfaßte drei Tagwerk einmähdige Wiesen, 3 Tagwerk Samwiesen und 15 Jauchert Äcker in den drei Feldern (Winter-, Sommer- und Brachfeld). Neben Geldabgaben musste Reisner 1 ½ Scheffel Roggen, 2 Scheffel Hafer, alles in Aichacher Maß, 1 Scheffel Zehntroggen, 1 Scheffel Zehnthaber, 1 Gans, 1 Henne, 50 Eier und 5 Hühner abliefern. Vom Kloster erhielt er sechs Klafter Brennholz pro Jahr. Im Jahr 1600 errichtete das Kloster ein Söldenhaus mit Backofen, aber ohne Grund, für Michael Sturm. Sturm erhielt drei Klafter Holz unentgeltlich, zinste aber 2 Gulden 6 Schillinge Pfennig als Pfenniggült und 6 Pfennige als Stiftgeld. Wovon lebte der Leerhäusler? Er war der Köhler des Klosters. Im 30-jährigen Krieg, 1632/1634, brannten die Hufe und das Köhlerhäusl ab, nur die Kirche blieb erhalten. Nach dem Krieg zog man die Fluren nach Schauerschorn, die Köhlerei wurde weitergeführt. Die Siedlung bestand bis ins frühe 19. Jahrhundert nur noch aus der Kirche.

Altstraße

Jahrhunderte lang war die Straße von München über Dachau durch das Zeitlbachtal bis Aichach und Rain am Lech eine wichtige Verkehrsverbindung, die als Salz- und Weinstraße bezeichnet wurde. Aus einem Vertrag von 1551 geht hervor, dass es zeitweise über Ruppertskirchen eine Abzweigung gab, die Oberzeitlbach umging. Sie wurde als Salzstraße bezeichnet und musste geschlossen werden. Sie zweigte bei Pfaffenhofen als Hochweg ab, führte durch Humersberg und Schauerschorn durch den Wald auf die Landstraße bei Ruppertskirchen. Dies beanstandete mit Erfolg der Tafernwirt von Oberzeitlbach.

Wiederbesiedelung seit 1807

Anton Mayr hat in seinen Forschungen nachgewiesen, dass der heutige Weiler erst nach der Aufhebung des Birgittenklosters 1803 entstand. Die Wiederbesiedelung begann 1807. Es entstanden 1807 Anwesen-Nr. 1 („Beim Seppen“), 1856 Anwesen-Nr. 1 ½ („Beim Girgl“ oder „Asam“), 1808 Anwesen-Nr. 2 („Beim Ehbauer“), 1809 Anwesen-Nr. 3 („Beim Hansen“ oder „Tischner“) und 1812 Anwesen-Nr. 4. Letzteres wurde 1909 abgerissen und zu Nr. 3 gelegt. Die Neusiedler erhielten alten Kulturboden, der nach Schauerschorn gezogen worden war, oder rodeten neu im ehemaligen Klosterwald. Gemeinsam war den Familien Tischner (Nr. 1 und Nr. 1 1/2), Ehbauer (Nr. 2) und Donhauser (Nr. 3 und Nr. 4 alt) die Herkunft aus der Oberpfalz. Sie kamen aus Orten im heutigen Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz. Man nannte diese Zuwanderer „Pfeizler“. Die Häuser Nr. 2a, 3a, 4 und 5 sind Neubauten der Gegenwart.
Der Weiler war seit seiner Wiederbesiedelung Bestandteil der Altgemeinde Oberzeitlbach, die 1818 entstand und 1976 in der Gemeinde Altomünster aufging. Pfarrsitz und Begräbnisort war immer Altomünster, Schulort zeitweise Oberzeitlbach.

Bildquelle:(c) altonews.de

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