Fern der Heimat: 3 Jahre in China (Teil 1)

Im April ließ Familie Fuhrmann ihre Heimat in Altomünster zurück. Die Fuhrmanns, engagiert u.a. beim TSV und bei der Kolpingsfamilie, sind vielen Altomünsterern sicherlich wohl bekannt. Heute freuen wir uns einen ersten Erfahrungsbericht von Jutta Fuhrmann zu veröffentlichen. Da der Bericht sehr lang ist, haben wir zwei Teile daraus gemacht. Teil 2 erscheint nächsten Sonntag.

Gastbeitrag von Jutta Fuhrmann, derzeitiger Wohnort: China

Nihao.

China_1Nun bin ich schon über einen Monat in China und ich muss sagen, ich erlebe wirklich tolle Dinge und ich habe mir gedacht ich erzähl sie Euch einfach mal.

Unser erster Spaziergang führte uns in einen Park nahe unserer Unterkunft. Dieser war sehr schön angelegt und da es noch sehr kalt war blühte natürlich auch nichts. Da die Chinesen es aber gerne grün mögen haben sie einfach an vielen Ästen  grüne Plastikblätter gehängt und schon sah es viel schöner aus.

Ein etwas älterer Chinese sprach uns an und fragte uns auf Chinesisch woher wir kommen. Da ich gut bei unserem Vorbereitungsseminar aufgepasst hatte wusste ich: einmal das Chinesen sehr neugierig sind und das Deutschland dogua heißt, so beantwortete ich seine Frage und er erzählte uns auf Englisch, dass er vor Jahren mal in Berlin war.

Es kam danach nicht mehr so häufig vor, dass diese Generation Englisch mit uns sprach, eher die 20 – 25 jährigen, denn ab dieser Generation  hatten sie  Englisch in der Schule. Dazu muss man wissen Shenyang ist eine Stadt die sich in den letzten 10 Jahren sehr stark entwickelt hat und sich jedes Jahr weiterentwickelt. Wo noch vor 10 Jahren ein Bauernhof mit Feld war, sind jetzt Straßen und Hochhäuser entstanden. Vor ein paar Jahren waren es noch 6 Millionen Einwohner inzwischen sind wir schon bei 9 Millionen.

China_2Das Fortbewegungsmittel erster Wahl ist das Taxi. Taxi fahren ist immer ein Erlebnis erst einmal eins zu bekommen. Also ich stehe am Straßenrand und halte meine Hand hoch und hoffe eins der Taxis hält mal an. Habe ich es tatsächlich geschafft, kommt der nächste Schritt: ich habe einen Taxiguide bei mir in dem alle wichtigen Adresse auf Englisch und auf Chinesisch stehen. Also ich zeige dem Taxifahrer wohin ich will und hoffe das er lesen kann (es gibt sehr viele Schriftzeichen und einer der „nur“ 1000 kennt gilt hier als Analphabet).

Wenn ich auch diese Hürde hinter mich gebracht habe und einsteige, hoffe ich das der Fahrer auch wirklich weiß wo er hinfahren muss. Aber ich muss sagen bis jetzt bin ich immer dahin gekommen wo ich hinwollte, auch wenn der Taxifahrer fünf mal ausgestiegen ist und fremde Leute nach dem Weg gefragt hat – es hat funktioniert. Sie haben sich immer sehr bemüht auch wenn sie manchmal einen Umweg gefahren sind – macht nichts ich bin heile und sicher angekommen.

Eine Umgewöhnung für mich ist auch, dass ich auf die Luftwerte schauen muss. Es gibt eine App die mich über die Luftqualität in der Stadt informiert. Es ist halt einfach anders als in Deutschland. Jetzt Anfang Mai haben wir 23 bis 28 Grad und es ist jetzt schon fast Sommer. Bei einem Wert von 200 ist es nicht mehr günstig zu lüften, es gibt in jedem Raum einen Luftreiniger, um zu gewährleisten, dass wir zu Hause durchatmen können.

Anders war auch, dass wir eine heilige Messe im Wohnzimmer eines deutschen Ehepaares mitfeiern durften. Den Kontakt habe ich damals schon von Deutschland aus herstellen können (tja das gute Internet) und so haben wir dann eine Woche nach Ostern bei ihr gefeiert.

Der Priester kam aus Peking hergeflogen (ca.1 Stunde Flug). Die Kollekte war dann ein Zuschuss für seinen Flug. Es war sehr schön für mich mitzuerleben, egal wo ich bin, es wird immer einen Weg geben oder sich finden, um die heilige Messe zu feiern.

Jetzt ist die Shenyanger Gemeinde schon so groß geworden, dass wir das nächste Mal (Pfingsten) ins Generalkonsulat gehen dürfen. Und es besteht die Möglichkeit in Shanghai zur Kommunion / Konfirmation oder zur Firmung zu gehen. Da denke ich mir nur „wow ist das Klasse“, was nicht alles möglich ist, wo ein Wille da ein Weg.

Es gibt hier keine Feststation fürs Telefon. Es wird alles übers Handy gemacht und es hat  eine Reihenfolge. Also wenn ich jemandem eine Mail schreibe  ja dann warten wir mal ab. Schreibe ich eine SMS, ist es schon dringlicher aber wenn ich auf Wechat (das chinesische Whats app ) schreibe dann passiert es aber.

Übrings wenn man sich hier eine Prepaidkarte kauft, dann sucht man sich auf einem Zettel seine eigene Rufnummer aus. Je mehr 8ter man hat, desto teurer wird sie, denn 8 ist die Glückszahl der Chinesen.

Viele Chinesen kochen nicht gerne zu Hause, deswegen gibt es sehr viele kleine fahrbare Imbissküchen, aber diese Gerichte habe ich noch nicht ausprobiert, da ich einiges nicht genau definieren konnte.

China_3In den Restaurants, die ich bis jetzt besucht habe, schmeckte mir das Essen sehr gut. Viele bieten Speisekarten mit Bildern an oder haben sogar eine englische Übersetzung der Gerichte. Man bestellt nicht nur ein Gericht sondern gleich mehrere auf einmal, die dann alle in die Mitte des Tisches gestellt werden und jeder darf dann herzhaft zu greifen. Eine sehr schöne, gesellige Angelegenheit.

Auf dem Foto sieht man typisch verpacktes Geschirr in einem Restaurant. Es ist alles drin was man braucht.

Anders als in Deutschland ist die Sache auch mit den Toiletten. Ein Restaurant ist nicht verpflichtet eine Toilette zu haben, es gibt einige öffentliche Toiletten. Ein gutes Zeichen ist immer, wenn man nichts riecht, wenn man an einer vorbei geht. Es gibt höchst selten richtige Klosetts. Vom Rinnsal bis hin zum Plumpsklo gibt es alles, aber auch das ist halt China.

Teil 2 folgt nächsten Sonntag.

Bildquelle: (c) Jutta Fuhrmann

 

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