Fern der Heimat: 3 Jahre in China (Teil 2)

Gastbeitrag von Jutta Fuhrmann, derzeitiger Wohnort: China

China_6Es führen auch eine Straßenbahn und eine U- Bahn durch Shenyang. Einmal von Norden nach Süden und einmal von Westen nach Osten. Die Fahrt kostet 2 Yuan – egal wohin. Das sind umgerechnet gerade mal 30 Cent.

Ich bin mal in die Stadt gefahren (wir wohnen jetzt etwas außerhalb, ca. 20 Autominuten vom Zentrum entfernt), hat alles wunderbar funktioniert. In der Straßenbahn sitzen an jeder zweiten Tür nette Damen in blauer Uniform, die bei jeder Haltestelle aufstehen und den einsteigenden Gästen zeigen, wo sie bezahlen sollen. Ein einfacher Plastikbehälter, in den man einfach 2 Yuan reinwirft.

Als ich wieder nach Hause gefahren bin, halte ich mein Handy so, dass ich verfolgen kann, an welcher Haltestelle wir sind, damit ich es nicht verpasse, auszusteigen. Wie ich da so sitze, macht mich ein junges Pärchen darauf aufmerksam, dass ich in der falschen Bahn bin – diese hier würde jetzt gleich abbiegen und wenn ich dahin muss, dann müsste ich jetzt aussteigen und dann in die andere Bahn einsteigen. Da dachte ich mir, dass ich das ganz schön aufmerksam finde und ich habe mich höflich bedankt xie´xie´und bin ausgestiegen und habe so meinen richtigen Weg nach Hause gefunden.

Das ist mir hier in China öfter aufgefallen. Z.B. suchte ich in einem Lebensmittelladen Backpulver. Dank einer App habe ich das chinesische Wort gefunden und zeigte es einer Angestellten. Die rief sofort einen Kollegen und zum Schluss haben 5 Leute nach meinem Backpulver gefahndet und nach 10 Minuten hatte ich Backpulver in meinem Einkaufswagen. Super hilfsbereit, echt klasse die Chinesen.

Ja, die Verständigung ist auch immer wieder lustig. Da ich es als Rheinländerin ja gewohnt bin, mit Händen und Füßen zu reden, fällt es mir nicht so schwer. Ab Montag wird sich das ändern, da beginne ich meinen Chinesisch Unterricht. Ich habe sogar schon von meiner Lehrerin einen chinesischen Namen bekommen: Ming Hua. Ming bedeutet strahlend und Hua Blume. Schön nicht wahr?

Einkaufen – auch ein sehr spannendes Thema. Klar gibt es Lebensmittelläden, die auch westliche Produkte haben, die natürlich wesentlich teurer sind. Aber ganz ehrlich – ab und zu ein leckeres Nutella Brot….

China_5Wobei wir beim Brot wären. Es gibt Baguettes  und Toastbrot in den Läden, es gibt einen deutschen Bäcker und es gibt das gute selbstgebackene Brot. Allerdings muss ich noch üben. Mit dem Mehl hier gibt es immer wieder eine Überraschung. Es gibt tausende Mehlsorten: extra Mehl zum frittieren, extra Mehl für Fisch, für Fleisch, zum Backen und zum Braten.

Ja, ich darf oft improvisieren, aber ich habe ja Zeit. Es macht mir auch Spaß heraus zu finden, mit wie wenig man auskommt bzw. wenn es irgendetwas nicht gibt, dann nehm ich halt etwas anderes.

Apropos nicht gibt: was hier im Compound ab und zu mal ausfällt, ist das Wasser und der Strom. Besonders witzig ist es dann, wenn man eingeseift unter der Dusche steht und das Wasser ist weg oder man nasse Haare hat und der Fön föhnt nicht mehr. Ganz neue Anforderungen werden da an mich gestellt.

Hier in Shenyang gibt es den Wuai –  Markt. Diesen Markt muss man sich so vorstellen: es gibt mindestens 8 große 4-5 stöckige Gebäude und in jedem Stockwerk gibt es etwas anders zu Kaufen: Taschen, Schuhe, Haushaltswaren, Dekosachen, Vorhänge, Kleider usw.

Man fährt hier mit der Rolltreppe hoch, muss aber zu Fuß die Treppe herunter gehen. Es gibt keine Rolltreppe, die nach unten geht. Warum nicht? Keine Ahnung. In China ist es mir schon öfters passiert, dass ich einige Dinge nicht verstehe, aber ich mir auch gesagt habe, alles muss ich nicht verstehen, das ist hier halt so.

Ich gehe wirklich gerne shoppen, aber nach 2 Stunden war es genug. Die Verkäufer sind sehr nett und hatten auch viel Spaß mit mir. Ich habe zwar gehandelt, aber ich bin mir sicher, sie haben immer noch ein sehr gutes Geschäft mit mir gemacht.

Was auch sehr nett ist, ist die Sache mit dem Führerschein. Ich muss hier, damit ich Auto fahren darf, einen Führerschein machen.  Nur Theorie aus 1200 Fragen. Hundert Fragen. 90 davon müssen richtig sein  (mit Computer auf Deutsch).

Ich lerne mit einer App und ich musste bei manchen Fragen schon schmunzeln wie z.B.: eine Frau mit Stöckelschuhen trägt nicht zum sicheren Fahren bei. Richtig oder Falsch? Oder: Wenn Studenten über eine Fußgängerweg gehen: Soll der Fahrer Gas geben oder soll er abbremsen?

Gestern habe ich den Führerschein übrigens bestanden.

China_4Apropos Straßenverkehr: hier gilt der Grundsatz das größere Fahrzeug hat Vorfahrt und Fußgänger sind nicht wichtig. Hier wird viel gehupt und wer hupt gibt damit den anderen das Zeichen ich habe Vorfahrt. Wenn man dieses beherzigt, kommt man auch als Fußgänger sicher über die Straße. Im Bild seht Ihr eine ganz normale Straße mit wenig Verkehr.

Meine Kinder haben mit der Schule einen Ausflug gemacht und da ist es, wie so häufig in China, ihnen wieder passiert, dass wildfremde Chinesen unbedingt ein Foto mit ihnen machen wollten. Tja wir Langnasen sind halt schon etwas besonders.

Zum Abschluss kann ich sagen, dass viele Dinge, die in Deutschland selbstverständlich für mich waren, es hier auf einmal nicht mehr sind. Aber ich habe hier  jeden Tag viele  kleine Erfolgserlebnisse, die ich sehr genieße.

Ich hoffe, ich darf hier in China noch viel erleben, so dass ich immer mal wieder etwas Neues berichten kann.

In diesem Sinne alles Gute – Záijián
Jutta Fuhrmann

Bildquelle: (c) Jutta Fuhrmann

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2 comments on “Fern der Heimat: 3 Jahre in China (Teil 2)
  1. Also für die Rechtschreibfehler möchte ich mich entschuldigen der Weg von China bis Altomünster ist halt lang da bleiben wohl manche Buchstaben auf der Strecke

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