Besichtigung der Kläranlage Altomünster

Vorklärbecken

Der Kolpingsfamilie Altomünster ist es regelmäßig ein Anliegen, sich mit den Themen Schöpfung und Umwelt auseinanderzusetzen. So stand unlängst eine Besichtigung der Kläranlage auf dem Programm. Wolfgang Graf, zugleich auch 3. Bürgermeister und Marktgemeinderat, begrüßte herzlich die Mitglieder und Gäste. Er berichtete zunächst kurz über die Geschichte der Kläranlagen in Altomünster. Der Hauptort Altomünster errichtete im Zuge des Wiederaufbaus der Infrastruktur eine Kläranlage an der Stumpfenbacher Straße, die zum damaligen Zeitpunkt auf dem aktuellen technischen Stand war. In den Ortsteilen gab es kleinere Anlagen bzw. Hauskläranlagen. Als sich die gesetzlichen Vorgaben zum technischen Stand der Kläranlagen verschärften und dadurch Handlungsbedarf bestand, musste der Marktgemeinderat entsprechend ein zukunftsfähiges Entwicklungskonzept der Abwasserklärung einschl. der künftigen Trennung des Oberflächenwassers erarbeiten, darüber entscheiden und umsetzen. Es bestand zunächst die Überlegung eine größere Anlage zusammen mit einer Nachbargemeinde aufzubauen, was letztlich aus verschiedenen Gründen nicht realisierbar war. Aufgrund der doch etwas schwierigeren Geologie der gesamten Marktgemeinde wurde dann geprüft, ob zwei kleinere Anlagen oder eine größere kostengünstiger betrieben werden könne. Damit übergab Wolfgang Graf die weitere Führung an den Betriebsleiter der Kläranlage, Herrn Lutz.

Mittiger  heller Ring, Ableitung des geklärten Wassers in den Zeitlbach

Die Kläranlage, am Zeitlbach zwischen Unterzeitlbach und Kleinberghofen/Gemeinde Erdweg gelegen, ist derzeit auf ca. 14.000 Einwohnerwerte ausgelegt. Dabei werden die Abwassereinleitungen der ansässigen Gewerbebetriebe im Entsorgungsgebiet durch diesbezügliche Umrechnungen auf Einwohner berücksichtigt. Bei allen Investitionen ist stets die Reservekapazität für kurzzeitigere Spitzenbelastungen bzw. mittelfristige Wachstumsentwicklungen zu bedenken. Die durchschnittliche Auslastung beträgt derzeit ca. 80 %, wovon ca. 2/3 der Abwässer aus der Bewohnung und 1/3 aus den Gewerbebetrieben stammen. Eine derartige Anlage benötigt mittlerweile eine komplexe Computer- und Störungssteuerung mit gesicherter Möglichkeit zum online-Datenabruf während der Bereitschaftszeit. Gegenwärtig kommen die Abwässer über 80 kleinere Druckleitungen in 35 km Hauptdruckleitungen mit 20 Stück Pumpstationen und aus ca. 150 kleineren Hauskläranlagen an. Pro Tag sind dies bei trockenem Wetter durchschnittlich 1.400, bei Starkregen bis zu 8.000 Kubikmeter.Der Betrieb verursacht vor allem auch einen hohen Strombedarf, der wirtschaftlich eingesetzt werden muss. Die Anlage muss daher stets im Gleichgewicht arbeiten und gerät teils in großen „Stress“, wenn nach trockener Witterung ein stärkerer Regen zunächst mit einem „Spülstoß“ eine hohe Schmutzlast verursacht. Weiterhin sind auch die Einleiter zu sensibilisieren, keine Fremdkörper wie die nicht verrottbaren Feuchtigkeitshygienetücher in die Toiletten zu werfen. Denn diese können nicht nur zu Verstopfungen in den häuslichen Verrohrungen, sondern auch zu kostenintensiven Defekten an den Pumpen führen. So sind zunächst im Vorklärbecken die Fremdstoffe abzusetzen, bevor dann die Wassermassen im 5m-tiefen Belebungsbecken mikrobiologisch geklärt werden. Damit die Organismen gut „fressen“, muss Luft von unten aus in das Wasser gepresst werden bis es perlt. Im anaeroben Mischbecken hungern sich die Bakterien dann wieder ab.

Zu entsorgender getrockneter Klärschlamm

Der übrig bleibende, weiterhin energiereiche Klärschlamm wird im Faulturm zu Biogas verarbeitet, das zur Stromerzeugung verwendet wird. Aus der Abwärme der Stromerzeugung kann alle benötigte Wärme für den Betrieb der Kläranlage bereitgestellt werden. Denn im Faulturm arbeiten die Organismen am besten bei ca. menschlicher Körpertemperatur. Auch wenn die Stromerzeugung betriebsablaufbedingt teilweise in das öffentliche Stromnetz abgegeben und der Strombedarf eingekauft werden muss, ergibt die Mengenbetrachtung, dass die Kläranlage ca. 50 % ihres Strombedarfs selbst erzeugt. Der letztlich übrig bleibende Klärschlamm wird getrocknet und in Container zur Müllverbrennung abgegeben. Die Teilnehmer(innen) an der Führung staunten über diese hochinteressanten Zusammenhänge und bedankten sich mit einem kräftigen Applaus Bildquelle: (c) altonews.de

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