Zu gewagt für Altomünster?

Der Vorsitzende des Kloster- und Heimatmuseums in Altomünster, Prof. Dr. Wilhelm Liebhart, freute sich in seiner Begrüßung zur Eröffnung der Ausstellung am 30.09.2018 mit Werken von Bele Bachem sehr, dass erneut eine Vernissage so reges Interesse findet. Etliche Mandatsträger(innen) aus Politik und Kultur waren ebenso anwesend. Zuvor erhielt die Combo, die mit Gitarre und Klarinette auch im weiteren Verlauf flotte, schwungvolle Stücke aus der Klezmer-Musik brillant vortrug, bereits kräftigen Eröffnungsapplaus. Herzlich dankte Prof. Liebhart auch allen, die zur Ausstellung mit Rat und Tat, einschließlich der Herstellung eines einzigartigen Ausstellungskataloges, beitrugen. Diese seit der Museumseröffnung im Jahr 1997 nunmehr 91. Ausstellung werde in die Geschichte eingehen. Denn erstmals werden Kunstwerke des Surrealismus gezeigt, welche die Phantasie oder Sehnsüchte der Betrachterin, des Betrachters beflügeln können. Bele Bachem habe ihre Stilrichtung jedoch zutreffender als „phantastischen Realismus“ bezeichnet. Eine Tageszeitung habe in der Vorankündigung schon die Frage gestellt, ob denn die Kunstwerke von Bele Bachem nicht zu gewagt für ein Klostermuseum im beschaulichen Dachauer Land seien.

Dies griff auch der Schirmherr und vormalige Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Dr. Christian Ude,  in seiner Rede auf. Seinerzeit habe sich die Gemeinschaft der Kunstschaffenden in  München ebenfalls schwergetan, Offenheit für künstlerisches Neues zu zeigen. Bele Bachem und er haben ihre Wurzeln im Rheinland und seien fast zeitgleich nach München-Schwabing gezogen. Sie haben nur wenige Straßenecken voneinander entfernt gewohnt und wären sich trotzdem erst viele Jahre später persönlich begegnet. Von Anfang an wären in den Schwabinger Künstler-Szenelokalen jedoch unermüdliche Diskussionen über die Kunstwerke von Bele Bachem geführt worden, obwohl sie nahezu nie an diesen Treffen teilnahm.  So habe sie sich auf ihre Weise durch ihre Werke zur Grande Dame der Schwabinger Bohème entwickelt und ein großartiges Werk an Bühnenbildern, Buchillustrationen, Bildern und Skulpturen geschaffen. Zur Würdigung ihres Gesamtwerkes verlieh ihr die Landeshauptstadt in den 1980er-Jahren die Medaille „München leuchtet“.

Die Tochter von Bele Bachem, Frau Bettina Böhmer, las dann einen Abschnitt aus der Biographie ihrer Mutter vor. Ihre Mutter habe die Malerei, das Reisen und das Leben geliebt. Bereits in der Schul- und Studienzeit habe ihre Mutter phantasievoll gemalt, was entsprechendes Entsetzen auslöste. So war die Veröffentlichung der frühen Werke ihrer Mutter in der Nazizeit verboten. Ihre Mutter habe ihren Selbstanspruch an die Malerei, vor allem an die Ausdrucksstärke der Farbe und der Raumwirkung immer weiter vertieft und über sich gesagt: „Je länger man male, desto mehr werde man Lehrling.“

Kurator dieser Retrospektive ist Dr. Ulrich Schneider, der die Ausstellung mit den Leihgaben von Frau Böhmer konzipierte und das Wirken von Bele Bachem im Ausstellungskatalog beschreibt. Er zeigte in seiner Rede auf, dass Bele Bachem in ihren Werken wiederkehrende Figuren und Typen einsetze, die das menschliche Verhalten teils in Tierköpfen oder Fabelwesen abbilden. Diese sollen das Verstehen der Bilder wie eine Geschichte öffnen, wie sich der Theatervorhang öffnet und die Schauspieler(innen) vor dem Bühnenbild handeln. Bele Bachem habe die reale Welt in neuen phantasievollen Interpretationen gezeigt. Die Künstlerin sei deshalb ein prägnantes Beispiel für eine feministische Kunst starker Frauen mit einer selbstbewussten Körperlichkeit und Sinnlichkeit.

 

Die Ausstellung kann noch bis 4. November 2018 zu den regulären Öffnungszeiten und Eintrittspreisen des Klostermuseums besichtigt werden. Bildquelle (c) Altonews

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