Klima – Wandel, nicht zuerst die Anderen

Karin Alzinger begrüßte im Namen des Museumsvereins Altomünster die Gäste. Sie freute sich sehr, dass der CSU-Ortsverband erstmals eine Veranstaltung im Forum/Saal des Museums durchführe. Es sei ein wichtiges Anliegen des Museums, eine breiter angelegte Bildungsarbeit für die Bevölkerung in Altomünster anzubieten. Dies geschehe durch die Zusammenarbeit mit weiteren (Kultur-)Trägern in den Ausstellungen sowie durch Vorträge, Literaturabende o.ä.

Der CSU-Ortsvorsitzende Christian Schweiger griff in seiner Begrüßung diesen Aspekt auf. Auch der CSU-Ortsverband möchte mit seiner nunmehrigen neuen Vorstandschaft die Anliegen aus der Mitte der Bevölkerung unmittelbar und zeitnah in den Veranstaltungen aufnehmen. Der Klimawandel sei eines der zentralen Themen der Gegenwart. Christian Schweiger freute sich deshalb sehr über die große Gästezahl und dankte dem Referenten herzlich für seine Zusage.

Prof. Dr. Florian Hörmann (Wurzeln seiner Familie in Altomünster, nunmehr wieder hier wohnend und Professur an der Hochschule Augsburg) zeigte kurz seinen eigenen Werdegang und seine wissenschaftlichen Interessensschwerpunkte auf. Anschließend band er die Gäste mit einer nunmehr zeitgemäßen digitalen Saalumfrage mit Smartphonetechnik in die Thematik ein. Auf die Frage, was sich die Anwesenden für ihre eigene Zukunft und für die der nächsten Generationen vorrangig wünschen, waren die Antworten nahezu ausschließlich übergeordneter, nicht kurz-mittelfristig finanzieller Art wie Erhalt der Lebensgrundlagen und des Friedens. Dies zeige auf, so Hörmann, dass die Mitte der Gesellschaft weiterhin um ihre Verantwortung für eine gute Entwicklung der Schöpfung wisse. Die Gesellschaft sei bereit, sich einzusetzen und gebe nicht mutlos auf. Dennoch werde so häufig die Notwendigkeit des zügigen Handelns auf die Zukunft verschoben, eigene Verhaltensänderungen nicht vorrangig gesehen und auf die vermeintlich schwerere Schuld, auf das größere Versagen und auf den dringenderen Handlungsbedarf der „Anderen“ verwiesen. Dabei werde nicht bedacht, dass das Ausmaß der nötigen Verhaltensänderungen erheblich steige, je länger abgewartet werde. Im weiteren Verlauf seines Vortrags erläuterte Hörmann anhand von vielen Grafiken kurzweilig und anschaulich nachdrücklich die verschiedenen Fachbegriffe und Hauptaspekte des Klimawandels. Er plädierte dafür, stets nur Tabellen aus anerkannter wissenschaftlicher Herkunft zu nutzen. Vor allem sollen nur gleiche Bezugsgrößen verglichen werden. Beim Vergleich der Schadstoffimmissionen nach Staaten (nach dem Produktionsortprinzip) erreiche China aufgrund seiner Größe eine wesentlich höhere Gesamtmenge als Deutschland. Umgerechnet auf den Ausstoß pro Bewohner(in) liege jedoch die deutsche Bevölkerung im Durchschnitt erheblich höher. (ca. 6 to in China, ca. 8 to pro Person und Jahr in Deutschland) Werde in einem weiteren Schritt der Güterexport nach dem Konsumentenortprinzip abgegrenzt, vergrößere sich die Spanne pro Person erheblich. (Wenn z.B. in fernen Ländern nicht nachhaltig produzierte, nur kurzzeitig nutzbare Billigartikel in Deutschland konsumiert werden.) Dies seien Fakten, so Hörmann, ohne dadurch die politischen Vorgaben und Vorgehensweisen in diesen beiden Staaten zu würdigen. Die verursachte Schadstoffmenge wird üblicherweise in die 4 Hauptblöcke „Wohnen“, „Ernährung“, „Mobilität“ und „Sonstiger Konsum“ untergliedert. In Abhängigkeit des eigenen Konsumverhaltens verändern sich entsprechend diese Hauptblöcke zueinander erheblich.

Nach einer kurzen Getränkepause zeigte Prof. Hörmann auf, wie jede(r) Einzelne den eigenen Beitrag zur Klimaumkehr leisten könne. Die allgemein gehörte Aussage, die/der Einzelne könne nichts bewirken, sei unzutreffend. Im Gegenteil leiste jede einzelne nachhaltige Verhaltensänderung einen gewichtigen Beitrag. Diese sind z.B.

⇒bis 10 km Wegstrecke ist das Fahrrad durchschnittlich das schnellste Verkehrsmittel, zudem stärkt es die Gesundheit
⇒häufigere Nutzung von Bus und Bahn statt des Kfz, wobei vielfach das Angebot und die Infrastruktur erheblich zu verbessern sind
⇒Verzehr von nachhaltiger produzierten Lebensmittel, Verminderung des Fleischkonsums
⇒durch eine vorausschauendere Planung der Einkäufe das Wegwerfen von Lebensmitteln vermindern
⇒Vorrang des stationären regionalen Handels vor online-Einkäufen, Verminderung der retour-Sendungen bei online-Einkäufen
⇒längere Nutzungsdauer von Gebrauchsgegenständen vorsehen, Vorrang der Reparatur vor Neukauf
⇒Ausleihe z.B. in der Haus- oder Straßengemeinschaft vor dem Kauf von Gebrauchsgegenständen, die nur selten(er) benötigt werden; vormals sei dies nahezu eine Selbstverständlichkeit gewesen. Dies habe sich gewendet, als es nicht mehr darum ging, den Nutzungszweck des Gegenstandes zu erreichen, sondern vielmehr den eigenen Stolz zu zeigen. Dem Nachbarn soll durch den Kauf gezeigt werden, man könne sich das bessere, neuere, teurere Modell leisten.

In der anschließenden regen Diskussion stellte ein Gast eine Gewissensfrage: Könne eine fair gehandelte, in der Ferne angebaute, mit Flugzeug nach Deutschland transportierte kurzlebige Schnittblume als nachhaltig produziert betrachtet werden? Der Kauf sichere doch die dortigen Arbeitsplätze. Prof. Hörmann argumentierte ausgewogen, jedoch dennoch mit dem Ergebnis, dass dieser kurzlebige Konsum insgesamt nicht nachhaltig sei. Es sollten vielmehr dort zukunftsweisendere Investitionen getätigt werden, um die Lebensgrundlagen zu sichern. Mit einem langen Applaus bedankten sich die Gäste für einen spannenden und interessanten Vortrag. Bildquelle (c) Altonews

 

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