Neue Ausstellung im Museum

Prof. Dr. Liebhart freute sich bei der Eröffnung der Wanderausstellung der Geschichtswerkstatt Dachau im Museum Altomünster sehr, dass die Vernissage erneut so zahlreich besucht wurde. Er begrüßte herzlich die Repräsentanten/Repräsentantinnen aus Politik und diversen Organisationen im Landkreis Dachau. Herzlich bedankte er sich ebenso für die musikalische Umrahmung. Zum Abschluss dankte die 2. Vorsitzende des Museumsvereins, Karin Alzinger, allen Leihgebern der örtlichen Ausstellungsstücke. Am Anfang sei die Sorge gewesen, wer denn noch markante Gegenstände dieser Zeit zuhause hätte und ausleihen würde. Mit zunehmender Beschäftigung mit dem Thema sei eine beeindruckende Dynamik entstanden. Die angesprochenen Bürgerinnen und Bürger aus Altomünster/Umgebung gaben Tipps, suchten in ihren Wohnungen und leihten die Gegenstände bereitwillig aus. So entstand eine Ausstellung, die zum Entdecken und Erinnern einlädt. Die Ausstellung kann bis 20.10.2019 zu den regulären Öffnungszeiten besichtigt werden.  

Gastbeitrag Dr. Annegret Braun, Geschichtswerkstatt Dachau, für Museum Altomünster (teils gekürzt)

… Die Ausstellung im Museum Altomünster ist die letzte Station unserer Wanderausstellung – für dieses Jahr. Nächstes Jahr ist sie im Nachbarlandkreis den ganzen Sommer über zu sehen – in der Furthmühle im Kreis Fürstenfeldbruck. Viele haben zu dieser Ausstellung beigetragen. Vor allem die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Geschichtswerkstatt. Sie alle arbeiten ehrenamtlich und haben zwei Jahre lang über die 50er Jahre geforscht. Mit großem Engagement. Wir waren in Archiven und haben viele Interviews geführt. Die Forschungsergebnisse der Geschichtswerkstatt sehen Sie auf den Leinwänden/Ausstellungsplakaten der sieben Themen. Welche weiteren Ausstellungsgegenstände gezeigt werden, ist in jedem Ort anders. Es beeindruckt mich sehr, wie in Altomünster die 50er Jahren präsentiert werden. Man sieht gleich, dass hier erfahrene Museumsprofis am Werk waren. … Die 50er Jahre waren eine Zeit des Aufbruchs. Man hat nach vorne geschaut und das verdrängt, was hinter einem lag.

1) „Die verdrängte Vergangenheit – Umgang mit dem Nationalsozialismus.“
Das war schwierig zu bearbeiten, denn wie soll man über etwas forschen, über das nicht geredet wird. Es ist uns dann doch gelungen, das Thema von sehr verschiedenen Seiten zu beleuchten. Das konnten wir natürlich nicht auf einem Plakat unterbringen. Aber wir haben ein Buch über das Thema „Wirtschaftswunder und Verdrängung“ geschrieben. Da ist die Verdrängung mehr thematisiert.

Auf unserem Plakat haben wir das Thema Verdrängung vor allem daran gezeigt, wie sich die Stadt Dachau in den 50er Jahren gegen Erinnerungsarbeit gesträubt hat. Ehemalige Häftlinge setzten sich dafür ein, dass das ehemalige KZ zu einer Gedenkstätte wird, aber sie sind auf viele Hürden gestoßen. 1953 wurde sogar eine Ausstellung geräumt, die frühere Häftlinge im ehemaligen Krematorium errichtet haben. Und schließlich wollte man sogar das Krematorium schließen, weil so viele Besucher kamen.

2) „Wirtschaftswunder“
In den 50er Jahren konnte man wieder etwas leisten. Neue Haushaltsgeräte kamen auf. In Sulzemoos führte die Mutter eines Landmaschinenhändlers in den umliegenden Dörfern die Waschmaschine vor. Diese Gelegenheit ließen die Leute nicht ungenutzt. Sie brachten ihr schmutzigste Kleidung und oft auch das Stallgewand. Natürlich nur, um zu sehen, was die Waschmaschine wirklich konnte.

3) „Flüchtlinge und Heimatvertriebene“
Viele wohnten noch in Lagern, auch im ehemaligen Konzentrationslager. Einige begannen, sich ein eigenes Haus zu bauen. Dabei halfen alle zusammen. Die Heimatvertriebenen wollten sich in ihrer neuen Heimat wieder etwas aufbauen und haben einen großen Anteil daran, dass die Wirtschaft in Deutschland einen solchen Aufschwung genommen hat.

4) „Wandel der Berufswelt“
Hier möchte ich nur den Wandel der Landwirtschaft herausgreifen. Viele kleine Höfe waren nicht mehr existenzfähig und konnten nur noch im Nebenerwerb betrieben werden. Die andere entscheidende Änderung war, dass die Landwirtschaft immer mehr technisiert wurde. Dabei gab es manche Anfangsschwierigkeiten. …

5) „Das schöne Leben – Freizeit und Reisen“
Eine Reise ins Traumziel Italien konnten sich nur wenige leisten. Meistens war man mit einem Ausflug in die Berge schon glücklich. Ein besonderes Freizeitvergnügen war das Kino. Auf den Dörfern hat man die Filme im Wirtshaus gezeigt.

6) „Rückzug ins Private – Familie und Wandel der Frauenrolle.“
1949 ist zwar die gesetzliche Gleichberechtigung in Kraft getreten, aber im Alltag war nicht so viel zu spüren, auch wenn Frauen genauso zugepackt haben wie Männer.

Wir erzählen auf diesem Plakat von einer Frau aus Haimhausen-Ottershausen, die 1951 schon den Lastwagenführerschein gemacht hat, um im Kartoffelhandel ihres Mannes mitzuarbeiten. Sie erzählte: „Wenn meine Kinder nicht in der Nacht auf die Welt gekommen wären, wären sie alle im Lastwagen auf die Welt gekommen.“

Was das Familienleben angeht – so kam es manchmal zu Interessenskonflikten. Ein Zeitzeuge erzählt, dass er abends, wenn seine Eltern im Bett waren, heimlich den amerikanischen Sender AFN hörte. Manchmal hat er vergessen, danach wieder auf den Landfunk zurück zu drehen. Wenn der Vater dann das Radio einschaltete, hörte man ihn lautstark schimpfen: …

7) „Rock’n’Roll und Petticoat – Jugendkultur“
Die meisten unserer Zeitzeugen haben ihre Jugend in den 50er Jahren erlebt und konnten uns deshalb viel darüber erzählen. Die Jugendlichen mussten zu Hause sehr viel mithelfen. Die wenige freie Zeit verbrachten sie gerne beim Tanzen, wobei Rock’n’Roll erst allmählich aufkam. Und man machte sich natürlich auch schick, so wie Elvis Presley. … Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Entdecken und Erinnern der 50er Jahre. (Ende Gastbeitrag Dr. Annegret Braun) Bildquelle (c) Altonews

 

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